Mein Arbeitstag 2

Mein Arbeitstag als Azubi - Teil II

Ich heiße Yvonne, bin 20 Jahre alt und habe am 01.08.2013 meine Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten bei Kucklick Wilhelm Börger Wolf & Söllner begonnen. Ein Vorteil dieser Ausbildung ist, dass diese im dualen System abläuft, d. h. dass ich einerseits die praktische Berufstätigkeit in der Kanzlei kennenlerne, andererseits die Berufsschule besuche. Dadurch kann ich meine theoretischen Kenntnisse aus der Berufsschule unmittelbar auf Arbeit anwenden. Weiterhin positiv an einer hiesigen Ausbildung ist die Größe der Kanzlei, wodurch ich in verschiedenen Sekretariaten arbeite und somit einen Einblick in viele Rechtsgebiete wie z. B. Straf-, Familien- und Mietrecht gewinne.

Aber auch die Abteilungen "Empfang" und "Archiv" sind mit Azubis besetzt, sodass man auch büroorganisatorische Abläufe kennenlernt. Entsprechend abwechslungsreich ist mein Arbeitsalltag:

Von Montag bis Mittwoch arbeite ich von 8 – 17 Uhr in der Kanzlei. Mein Arbeitsalltag beginnt damit, die Fristen-, Termins- und Wiedervorlageakten herauszusuchen und sie dem Anwalt zur Bearbeitung vorzulegen. Danach kümmere ich mich um die Verfügungen. Dazu gehört beispielsweise das Schreiben von Kurzbriefen an den Mandanten oder das Erstellen von Schriftsätzen an das Gericht. Dies muss ich größtenteils selbstständig tun. Manchmal schreibe ich aber auch Diktatbänder, in denen der Anwalt die Schriftstücke bereits vorbereitet hat. Auch die Bearbeitung von Zahlungseingängen sowie das Ablegen von abgeschlossenen Akten gehören zu meinen täglichen Aufgaben.

Nach meiner einstündigen Mittagspause steht die Bearbeitung der Eingangspost an. Zunächst speichere ich den Posteingang zur entsprechenden Akte und notiere uns gesetzte Fristen im Handkalender sowie im Computer. Das Berechnen und Notieren von Fristen erlernt man bereits im Berufsschulunterricht im 1. Lehrjahr, da dies die wichtigste Aufgabe im Verantwortungsbereich einer ReFa ist und ein Fristversäumnis schwerwiegende Folgen für den Rechtsstreit mit sich bringen kann. Danach erfolgt das Heraussuchen der Handakten, die zusammen mit dem jeweiligen Posteingang dem Anwalt vorgelegt werden. Nachdem ich die übrigen Verfügungen erledigt und alle Schreiben ausgefertigt, d. h. mit Anlagen bzw. Abschriften versehen habe, müssen diese nun noch vom Anwalt unterschrieben werden. Letztlich wird die Ausgangspost von unserer Zentralen Poststelle abschließend bearbeitet und versandt.

Donnerstags und freitags besuche ich die Berufsschule, welche ab dem 3. Lehrjahr nur noch einmal wöchentlich stattfindet. Man hat sowohl Fächer wie Deutsch und Englisch, aber natürlich auch fachbezogenen Unterricht, z. B. Materielles Recht, Zwangsvollstreckung sowie Kostenrecht. Der Berufsschulunterricht ist nah an der Praxis, sodass die Anwendung der erworbenen Kenntnisse auf Arbeit erleichtert wird. Seit ca. einem Jahr finden regelmäßig Azubimeetings mit Anwälten oder Sekretärinnen in der Kanzlei statt, in welchen sie uns umfangreichere und komplizierte Themen der Schule noch einmal praxisbezogen näher bringen und mit Übungen und Fallbeispielen vertiefen.

Zusammenfassend finde ich die ReFa-Ausbildung eine sehr interessante und spannende Tätigkeit mit Perspektive, in der man auch für das eigene Leben lernt. Bei den Sekretärinnen aber auch bei den Anwälten findet man stets Hilfe und die wachsenden Aufgaben in den regelmäßig wechselnden Sekretariaten garantieren einen vielfältigen Berufsalltag sowie Spaß an der Arbeit.