Unfallschaden: Hase gerettet, aber Auto beschädigt – Wer zahlt die Rettungskosten?

In der Teilkaskoversicherung sind auch Unfälle mit Haarwild versichert. Hierzu gehören alle Tiere, die in § 2 Absatz 1 Nr. 1 Bundesjagdgesetz als Haarwild definiert sind. So sehen es die meisten Versicherungsverträge entsprechend den Musterbedingungen vor. Zum Haarwild gehören Hasen und Füchse ebenso wie Rehe und Hirsche. Teilweise haben die Versicherer ihre Bedingungen zugunsten der Versicherungsnehmer so geändert, dass Unfälle mit allen möglichen Tieren versichert sind. Dort wäre dann z. B. auch die Kollision mit einem Pferd vom Versicherungsschutz umfasst.

Problematisch wird es dann, wenn der Fahrer des versicherten Fahrzeugs vor dem Tier ausweicht bzw. bremst, von der Straße abkommt und dadurch der Pkw beschädigt wird. Nach den §§ 83, 90 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) hat der Versicherungsnehmer in diesen Fällen grundsätzlich einen Anspruch auf Ersatz der sogenannten Rettungskosten. Das sind die Kosten, die er für geboten halten durfte, um einen unmittelbar bevorstehenden Versicherungsfall abzuwenden, vor allem Unfallschäden, wenn das Fahrzeug von der Straße abkommt und beschädigt wird, beispielsweise bei der Kollision mit Bäumen oder Leitplanken.

Zunächst einmal liegt das Problem hierbei darin, die Existenz des Tieres nachzuweisen. Denn am Fahrzeug werden sich Tierspuren ohne Kollision nicht feststellen lassen. Wer Glück hat, verfügt über einen Beifahrer, der aussagen kann, dass kurz vor dem Fahrzeug ein Tier die Fahrbahn überquert hat o. Ä. Anderenfalls muss der Versicherungsnehmer im Falle einer Klage gegen den Versicherer hoffen, dass er vom Gericht persönlich angehört wird und es ihm Glauben schenkt. Hat der Versicherungsnehmer diese Hürde genommen, kommt es darauf an, ob er die Rettungshandlung – also das Abbremsen oder Ausweichen – für geboten halten durfte. Hieran kann es fehlen, wenn das Tier, mit dem man zusammengestoßen wäre, zu klein war. Das trifft insbesondere auf Hasen zu und wird oft auch bei Füchsen der Fall sein. In diesen Fällen ist bei einer Kollision mit keinen oder nur geringfügigen Fahrzeugschäden zu rechnen. Weicht der Versicherungsnehmer dennoch aus und beschädigt er hierdurch das Fahrzeug, so verkennt er regelmäßig grob fahrlässig die mangelnde Gebotenheit der Rettungshandlung. Nach dem Gesetzeswortlaut der §§ 83, 90 VVG müsste das dazu führen, dass der Versicherer überhaupt keine Entschädigung zahlen muss.

Einige Oberlandesgerichte sprechen dem Versicherungsnehmer aber zumindest eine teilweise Entschädigung zu. Grund hierfür ist der entstehende Wertungswiderspruch, wenn man dem Versicherungsnehmer die Rettungskosten vollständig versagen würde. Denn bei der grob fahrlässigen Verletzung von vertraglichen Obliegenheiten durch den Versicherungsnehmer ist seit der Novellierung des VVG im Jahre 2007 nur noch eine teilweise Leistungskürzung durch den Versicherer möglich. Wenn der Versicherungsnehmer also unter Überschreitung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit und alkoholisiert mit einem Fuchs kollidiert und dadurch das Fahrzeug beschädigt, erhält er zumindest eine quotale Entschädigung, solange er nicht vorsätzlich gehandelt hat. Dagegen soll er gar nichts erhalten, wenn er mit angepasster Geschwindigkeit und nüchtern fährt, aber aufgrund einer augenblicklich zu treffenden Entscheidung einem zu kleinen Tier ausweicht? – Aufgrund dieses Widerspruches hat das OLG Saarbrücken 50 % der Rettungskosten zugesprochen, wenn sich nicht feststellen lässt, welche Größe das Tier hatte, dem der Versicherungsnehmer ausgewichen ist (OLG Saarbrücken, Urteil vom 26.01.2011, Az.: 5 U 356/10-57; vgl. OLG Koblenz, Urteil vom 14.01.2011, Az.: 10 U 239/10).

Wenn die Teilkaskoversicherung nicht zahlen muss, bliebe im Übrigen nur der Rückgriff auf die Vollkasko, die grundsätzlich für jeden Unfall eintrittspflichtig ist. Im Gegensatz zur Teilkaskoversicherung erfolgt dort allerdings regelmäßig eine Höherstufung.

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