Strafverteidiger:innentag 2026 in Köln: Freie Fahrt für freie Richter

Strafrecht

Wie sollte ein modernes Strafverfahren künftig ausgestaltet sein und welche Rolle spielen dabei neue Beweismittel und Qualitätsstandards? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der 47. Strafverteidiger:innentag, der vom 13. bis 15. März 2026 an der Universität zu Köln tagte. Im Zentrum standen Diskussionen über die geplante Reform der Strafprozessordnung und deren konkrete Auswirkungen auf die Strafverteidigungspraxis. Mehr als 850 Teilnehmer:innen aus Anwaltschaft, Wissenschaft und Justiz nahmen teil und beschlossen am Ende rechtspolitische Thesen und Forderungen.

Aber wie läuft ein solcher Strafverteidigertag eigentlich ab? Ein Blick auf das Programm zeigt zugleich, welche Themen die Strafverteidigung aktuell besonders beschäftigen.

Nach den berühmten drei A‘s (Anreise, Anmeldung, Akkreditierung) beginnt der Strafverteidigertag traditionell am Freitagnachmittag mit der Eröffnung. In diesem Jahr gab Rechtsanwältin Dr. Jenny Lederer aus Essen einen Überblick über den aktuellen Zustand des Rechtsstaats und ordnete insbesondere die Reformbestrebungen der Strafprozessordnung kritisch ein. Der anschließende Empfang bot Gelegenheit zum fachlichen Austausch.

Der Samstag bildete den inhaltlichen Schwerpunkt: In acht Arbeitsgruppen wurden aktuelle Themen vertieft diskutiert. Die Strafverteidigervereinigung Sachsen, in deren Vorstand ich tätig bin, veranstaltete die Arbeitsgruppe 5 mit dem Titel „Alles Beweismittel oder was?“.

Unter der Moderation von Rechtsanwalt Andreas Boine wurde deutlich, wie stark die Bedeutung und zugleich die Unsicherheit im Umgang mit neuen Beweismitteln zugenommen haben. So beleuchtete Prof. Dr. Endrik Wilhelm (Radebeul) die Problematik interner Ermittlungen und deren Einfluss auf Strafverfahren. Prof. Dr. Christian Rückert (Universität Bayreuth) zeigte auf, dass verbindliche Mindeststandards für elektronische Beweismittel bislang nur unzureichend entwickelt sind.

Nach der Mittagspause verdeutlichte Prof. Lennart Max (MSB Medical School Berlin) die rechtspsychologischen Auswirkungen manipulierter Beweismittel – ein Aspekt, der für die Bewertung von Aussagen und Verfahrenssituationen zunehmend an Bedeutung gewinnt. Dieser fachfremde, aber für die alltägliche Arbeit relevante Vortrag hat interessante Einblicke in das Verhalten der Prozessbeteiligten unter dem Eindruck neuer und unbekannter Beweismittel gegeben.
Ergänzend stellte Rechtsanwältin Laura Farina Diederichs die aus den USA bekannten Daubert-Standards vor, die als möglicher Ansatz für eine systematischere Qualitätssicherung diskutiert wurden.
In meinem eigenen Vortrag habe ich mich mit der praktischen Umsetzung solcher Qualitätsanforderungen im Strafverfahren beschäftigt und den rund 150 Zuhörern konkret aufgezeigt, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse in der täglichen Verteidigungspraxis nutzen lassen.

Die anschließende Diskussion machte deutlich: Die Frage nach der Verlässlichkeit und Bewertung von Beweismitteln gehört zu den zentralen Herausforderungen moderner Strafverfahren.
Am Abend folgte ein gemeinsamer Vortrag der Satirezeitschrift TITANIC – laut Spiegel „die verbotenste Zeitschrift Deutschlands“ –, die anhand eigener Verfahren einen ungewöhnlichen, aber aufschlussreichen Blick auf die Praxis von Strafverfahren bot. Der Tag klang bei der traditionellen Kongressparty im Kölner Stadtgarten aus.

Am Sonntag stand die große Abschlussdiskussion im Mittelpunkt. Unter der Moderation von Rechtsanwältin Dr. Margarete Gräfin von Galen wurde – teils kontrovers – darüber diskutiert, wie ein modernes und zugleich rechtsstaatlich ausgewogenes Strafprozessrecht aussehen kann.

Als zentrale Erkenntnisse lassen sich festhalten:

  • Der Umgang mit digitalen und potenziell manipulierbaren Beweismitteln wird die Strafverfahren der Zukunft maßgeblich prägen.
  • Es besteht ein erheblicher Bedarf an klaren Qualitäts- und Bewertungsstandards.
  • Die Sicherung fairer Verfahren bleibt trotz – oder gerade wegen – technischer Entwicklungen eine zentrale Herausforderung.

Die beschlossenen Thesen und Forderungen wurden abschließend in einem Thesenpapier zusammengefasst.

Damit gingen intensive und erkenntnisreiche Tage in Köln zu Ende. Wenn Sie sich vertiefend für die Diskussionen interessieren, finden Sie hier einen ausführlichen Bericht: https://www.lto.de/recht/juristen/b/strafverteidigertag-strafprozess-stpo-reform-kommission-bmjv

Die dort diskutierten Entwicklungen zeigen: Strafverfahren werden komplexer und stellen zugleich höhere Anforderungen an eine fundierte Verteidigungsstrategie. Mit den gewonnenen Erkenntnissen stehen wir Ihnen auch künftig als kompetenter Ansprechpartner im Straf- und Steuerstrafrecht zur Seite.

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