Das Wechselmodell ist kein gesetzlicher Regelfall

Zwar kann das Wechselmodell durchaus im besten Interesse des Kindes sein, als gesetzlicher Regelfall ist es aber ungeeignet.

Das Wechselmodell sieht vor, dass Kinder nach einer Trennung von beiden Elternteilen im Wechsel zeitlich annähernd gleich lang betreut werden. Damit es gelingen kann, sind vor allem folgende Voraussetzungen notwendig:

  • Das Wechselmodell muss auch der Wunsch des Kindes sein,
  • die Eltern müssen trotz der Trennung gut miteinander kommunizieren können und
  • in räumlicher Nähe zueinander wohnen,
  • finanziellen Mittel haben, um die Mehrkosten für Doppelanschaffungen zu tragen.


Oberste Priorität bei allen Trennungs- und Scheidungsprozessen muss stets das Wohl des Kindes haben. Kinder wünschen sich oft, regelmäßig Kontakt zu beiden Elternteilen zu haben. Ein Loyalitätskonflikt darf jedoch nicht entstehen.

Bei einem Wechselmodell müssen Eltern trotz Trennung eng koope¬rieren und konstruktiv kommunizieren. Gerade in hoch konfliktbehafteten Trennungssituationen ist die für ein Wechselmodell notwendige Gesprächs- und Aktionsbasis jedoch oft nicht vorhanden. Ein Wechselmodell ist grundsätzlich nicht geeignet, um erst die notwendige Kommunikation zwischen den Eltern wiederherzustellen.

Das Bundesverfassungsgericht hat mit Beschluss vom 22.01.2018 (Az.: 1 BvR 2616/17) entschieden, dass das Wechselmodell bei getrenntlebenden Ehegatten nicht als Regelfall anzusehen ist.

Das Bundesverfassungsgericht stellte fest, dass aus Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz nicht folge, dass der Gesetzgeber den Gerichten für die Zuordnung von Rechten und Pflichten getrenntlebender Eltern eine paritätische Betreuung als Regel vorgeben und eine abweichende gerichtliche Regelung als Ausnahme ausgestalten müsse. Dass der Bundesgerichtshof zwischenzeitlich festgestellt habe, dass ein paritätisches Wechselmodell in Gestalt einer Umgangsregelung je nach den Umständen des Einzelfalls – vor allem nach Maßgabe des Kindeswohls – auch gegen den Willen eines Elternteils angeordnet werden könne, stehe hierzu nicht im Widerspruch. Eine Ablehnung des paritätischen Wechselmodells sei verfassungsrechtlich nicht zu beanstanden, wenn die erforderliche Kommunikations- und Kooperationsfähigkeit zwischen den Eltern fehle.

Fazit:   Das Bundesverfassungsgericht hat somit klargestellt, dass eine pauschale Anordnung des Wechselmodells nicht möglich ist, sondern vielmehr auch die Kommunikation und Kooperation zwischen den Eltern vorhanden sein muss.

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